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Text & Bilder: Kathrin Weinbeck

Bei nahezu apokalyptischem Regen in Ostbayern starteten wir am frühen Freitagnachmittag mit hoffnungsvollem Optimismus gen Süden. „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“, dachten wir uns, und tatsächlich war uns der Wettergott wohlgesonnen, als wir spätnachmittags an der Übungskletterwand Rading bei Roßleiten ankamen.

Nach einer kurzen Warmkletterei und ausgiebigen Einweisung in Sachen Standbau, Partnersicherung am Stand und Mehrseillängenkommandos ging’s auch schon los – unsere ersten „Seillängen“ fanden zunächst noch am Boden statt.Es dauerte allerdings nicht lang, bis wir das erste Mal mehrseillängentechnisch Höhenluft schnuppern durften: Zu nachtschlafender Zeit (also um 7 Uhr morgens) brachen wir am Samstag auf, um erneut die Übungswand unsicher zu machen. Unter den wachsamen Augen unserer Kursleiter Steffi Fuchs und Gabor Lohwasser durften wir uns dort endlich austoben: Knoten fädeln, Stände bauen, Plattenklettern, Abseilen, Kommandos hier und dort: „Robert Stand!“, „Fabi zu!“, „Lisa, äääääh, Susi nachkommen!“.

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Erst am späten Nachmittag wurde unser Mehrseillängenglück jäh unterbrochen – just als der Letzte nach dem vierten Durchgang die Füße auf dem Boden aufsetzte, schüttete Petrus die Eimer aus. Jetzt galt es, sich schleunigst aus dem Staub zu machen, um sich im nächstgelegenen Café vor den zentimetergroßen Hagelkörnern zu schützen. So hatten wir das nicht ausgemacht – stand doch der „Rückzug von der Wand“ als bloße Theorielektion im Lehrprogramm! Aber: halb so schlimm, schließlich entschädigte uns die Hüttenwirtin vom Maurerwirt doch mit tellergroßen Wiener Schnitzeln und ausgezeichneten Bauernsalaten. Dazu noch das ein oder andere Bierchen bzw. Weinschörlchen… und schon war das abrupte Ende wieder vergessen!

Auch am nächsten Tag standen wir schon früh in den Startlöchern. Robert wurde mit der ehrenträchtigen Aufgabe betraut, die Gruppe zur Kampermauer zu führen, und strebte in atemberaubendem Tempo voran. Nachdem uns Steffi und Gabor zeigten, wie man mobile Sicherungen legt, war es an uns, den Fuß der Wand nach geeigneten Absicherungsstellen abzusuchen und die Wand fröhlich mit unseren Friends und Keilen einzudecken.     

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Doch auch heute zwang uns der Regen irgendwann zum Rückzug, und so strandeten wir in der nahegelegenen Laussabaueralm, wo wir zusammen die Topos der Kampermauer analysierten und die morgige Tour planten. Gestärkt von Frittatensuppe und Kaffee, ging’s zurück zum Maurerwirt  - geschützt vor Wind und Wetter traten wir dort den nächsten Teil der Ausbildung an! Jetzt hieß es Schleifknoten üben, Plate-Funktion ausprobieren, Ordnung am Gurt herstellen und Seilpuppen basteln bis der Regen aufhört! Und tatsächlich: allgemeine Jubelstimmung, als plötzlich die Sonne herausblickt und uns zur Übungswand lockt. So wurde ein lehrreicher und ausbildungsintensiver Kurstag mit aufregender Kletterei in Dreierseilschaft gekrönt!

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Am letzten Kurstag wurde unser Können in puncto „mobile Sicherungen legen“ gleich auf Herz und Nieren getestet: An der Kampermauer durften wir unsere Werkzeuge dieses Mal während des Kletterns legen. Recht zaghaft waren am Anfang die Versuche, in den Bandschlingen aufzustehen, die an die Sicherungen gehängt wurden, und der ein oder andere wunderte sich, wie gut ein haselnussgroßer Klemmkeil halten kann (oder eben nicht). Gegen Mittag begann schließlich unsere lang ersehnte Mehrseillängentour an der Kampermauer – dieses Mal war es David, der uns zu unserer Zielwand führte. Schließlich erwartete uns eine faszinierende Tour in gut abgesichertem Gelände, kuscheligen Standplätzen und luftigen Höhen.

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Am Ende – wie war es anders zu erwarten - brach erneut ein Platzregen über uns ein. Nicht alle schafften es, rechtzeitig abzuseilen, und so wurde dem ein oder anderen ein einmaliges, feucht-fröhliches Abseilerlebnis beschert! Welch ein Glück, dass die Wirtin in der Laussabaueralm noch genügend Apfelkuchen für uns hatte…

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Am Schluss des Kurses stimmten wir alle überein: was das Wetter betrifft, ein Wechselbad der Gefühle, aber wir haben stets das Beste daraus gemacht. Einfach ein rundum perfektes Wochenende mit motivierten Kursteilnehmern, mit Kursinhalten, die sogar über das Erwartete hinausgingen und mit bestgelaunten Kursleitern, die uns gnadenlos die Wände hochjagten, aber durch ihre Erfahrung & Kompetenz auch sicher wieder auf den Boden brachten!

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