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Schladminger Tauern II

27.09. bis 30.09.2018

 

Teilnehmer: Hofmann Joachim und Hölzl Christian

 

Im Jahr 2007 gab es schon eine Tour in die Niederen Tauern. Hochstein, Hochwildstelle und Greifenberg wurden damals bestiegen. Die tollen Herbstfarben und das zarte Weiß der schroffen Gipfel blieben in angenehmer Erinnerung. Heute steht gewissermaßen die Wiederholung auf alten und neuen Wegen am Programm. Schade, dass Joachim nur vom Christian begleitet wird. Parken an der unteren Gfällalm ist teuer und die 20 € für 4 Tagesind bereits ein Sonderpreis. Davon lassen sich unsere Wanderer nicht die gute Laune verderben. Knapp 2 Stunden dauert der Aufstieg zur Hochgollinghütte auf 1641 m. Personal und Infrastruktur der Hütte sind in Ordnung und einem gemütlichen Abend steht somit nichts im Wege. Der nächste Morgen beginnt gleich mit einem Highlight: Joachim hat die Besteigung des 2862 m hohen Hochgolling im Sinn – Christian genügt die Gollingscharte auf 2326 m. Nach Erreichen des Talschluß führt rechts ein Pfad steil aufwärts. Das Gras der Bergflanke weicht weiter oben Steinen und Schotter. Nach dem Passieren der Scharte quert der Steig die felsige Westflanke des Berges und führt in Kaskaden zum Gipfelkreuz. Knifflig ist eine Passage, die auf 5 Meter Länge mit Blankeis überzogen ist. Grund dafür ist Schmelzwasser, das in der ganztägig schattigen Rinne gefriert. So ernst und gefährlich die  Stelle auch ist, amüsiert sich Joachim doch wie drei Tschechen auf Knien das Hindernis überwinden. Er hat mit den von Christian geliehenen Grödeln gut lachen. Am Gipfel erwartet alle Bergsteiger eine Fernsicht von unglaublichen 200 Km. Keine Wolke trübt den blauen Himmel. Joachim wird von einem Tschechen auf Englisch nach seinem Alter gefragt. „Sixty eight Years and so fast“ meint dieser anerkennend. Naja, die 3 Stunden für die gut 1200 Höhenmeter sind so schlecht nicht.

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Lange genießt Joachim sein Gipfelglück, bevor er wieder zur Hütte absteigt. Am dritten Tag verlassen die Wanderer das Hochgollinghaus und wechseln hinüber zur Preintalerhütte auf 1657 m. Natürlich sind auf dem Weg dahin noch Aufgaben zu bewältigen. Zunächst wird der 2450 m hohe Greifenbergsattel in langsamer Gangart angepeilt. Dort gewinnt die Sonne die Oberhand und vertreibt den Nebel. Am Greifenberg, 2612 m, wiederholt sich die Traumsicht des Vortages. Die malerischen Seen des Klafferkessel komplettieren das Szenario. Den Abstieg zur Hütte geht Christian jetzt allein, weil Joachim noch ein Zusatzprogramm hat. Zunächst geht er hinunter zu den Klafferseen und quert dann im Auf und Ab hinüber zum Waldhorntörl. Von dort geht es anspruchsvoll weiter und 57 Minuten später ist der Gipfel des 2702 m hohen Waldhorn erreicht. (Normalzeit 1,5 Std.) Tja – was soll man sagen: Das Bergfeeling ist erneut sensationell.

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1119 15Und weil Joachim einen so guten Lauf hat, ist er trotz knapp 3 Stunden Umweg eine Stunde vor dem Christian auf der Preintaler Hütte.  Diese ist voll belegt, was einem gemütlichen Abend nicht im Wege steht. Am letzten Tag kann sich Christian am Weg zum Parkplatz – vorbei am Riesachsee und den Riesachfällen – viel Zeit lassen. Denn Joachim will es noch mal wissen und steigt über den Südgrat auf die 2747 m hohe Hochwildstelle. Natürlich in flotten 2h 46 min statt 4 Stunden Normalzeit. Es ist schon wieder so ein Traumtag und der imposante Dachstein gegenüber scheint zum Greifen nah.

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Der Abstieg erfolgt über die felsige Nordseite. Dann geht es kurz aufwärts und einen Grat entlang zur Kleinwildstelle. Ein kurzes Verweilen genügt. Nächste Station ist die Neualmscharte auf 2347 m.  Alles läuft gut bis hinunter zu einer kleinen Hütte, von der Wegweiser an einer Verzweigung die Routenziele angeben. Links zur Preintalerhütte und rechts zu einer Alm und dem Riesachsee. Also biegt Joachim rechts ab. Komisch, dass der Steig in Etappen immer weiter nach oben zieht. 3 nachfolgende Burschen bestätigen Joachim, dass der Steig später ins Tal führt. Eine halbe Stunde später informiert ein entgegen kommender Wanderer, dass nach Erreichen eines Jochs der Tal- Abstieg möglich ist. Als Joachim kurze Zeit später sieht, dass es noch sehr weit nach oben geht, entschließt er sich weglos zu queren. Am Sichthorizont – noch weit entfernt – lässt sich ein Pfad in der Bergflanke ausmachen. Heidekraut, langes Gras, Steine, Felsblöcke, Geländeeinschnitte und Latschen machen das Vorwärtskommen nicht gerade leicht. Hoffnung macht ein schmaler Steig, der zu einer Jagdhütte führt. Leider endet dieser im Nichts. Also weiter mühsam - manchmal auch sehr steil aufwärts – queren und hoffen einen ins Tal führenden Weg zu finden. Körperlich schon ziemlich geschafft wird der schon in der Ferne erkannte Steig erreicht. Dessen obere Variante endet bald; also der Unteren folgen. Manchmal verschwindet der Weg im hohen Gras und Joachim muss höllisch aufpassen, diesen nicht zu verlieren. Es ist seine einzige Chance sicher ins Tal zu gelangen. Immerhin 600 Höhenmeter steigt Joachim in banger Erwartung ab, bis eine Forststraße das glückliche Ende signalisiert. Christian hat geduldig gewartet und Beide kehren in ein nahe gelegenes Gasthaus ein. Vier Stau`s am Nachhauseweg strapazieren noch die Geduld der Bergsteiger. Aber ganz klar überwiegt die Freude über das tolle Erlebnis in den Schladminger Tauern.

 Berg Heil

Hofmann Joachim