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Als Franz Senn vor gut 150 Jahren den Alpenverein gründete, wollte er mit der Erschließung der Alpen den Bewohnern der armen Bergdörfer eine wirtschaftliche Perspektive bieten. Das gleiche Ziel verfolgte die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit als sie vor einigen Jahren die Bewohner der nordalbanischen Berge unterstützte, ihre Häuser zu Gästehäusern auszubauen und Wanderwege zu markieren. Grundlage für den Peaks of the Balkans quer durch das Prokletje (auf Deutsch: verfluchtes Gebirge) waren die grenzüberschreitenden Wege nach Montenegro und in den Kosovo, die schon immer von den Wanderschäfern mit ihren Tieren genommen wurden.

Wir lassen uns weder von der Überbuchungsstrategie der Fluggesellschaft, noch von der montenegrinischen Bürokratie aufhalten, um immerhin zwei Drittel des Peaks of the Balkans zu gehen. Auf der Fahrt nach Plav, dem Ausgangsort unserer Wanderung, erfahren wir, dass Montenegro „verrry beautifulll“ ist. In den folgenden zwei Tagen erleben wir vor allem, dass es zudem noch extrem heiß ist und ausgerechnet dies sind die längsten Etappen mit jeweils gut 8 Stunden Gehzeit. 

Beim Pausentag in Thethi, nunmehr in Albanien, werden die Hitzeschäden und die zahlreichen Blasen an den Füßen bei Kulturprogramm und Shopping (Wollsocken) gepflegt bis ein Gewitter die ersehnte Abkühlung und einen spektakulären Regenbogen bringt.

08 3 Albanien Regenbogen Foto Theresia Wei

Solchermaßen erholt ist die nächste Etappe (1200 m Aufstieg) praktisch ein Klacks, zumal gut sortierte Bars (sogar Jägermeister war im Angebot) mit einfachen, aber effizienten Sanitäranlagen am Weg liegen. Am Qafa e Valbones lassen wir uns die paar Höhenmeter extra zum Aussichtspunkt nicht entgehen. Das Land der Skipetaren liegt uns zu Füßen; leider hüllt sich der Jezerza, der höchste Berg Albaniens, in Wolken.

Das Bergdorf Ceremi, ist mit einem robusten Pkw erreichbar und das nutzen die ersten Opfer der allgemein grassierenden Magen-Darm-Seuche. Die übrigen nehmen den steilen, aber relativ kurzen Aufstieg durch eine Schlucht. Unser Elektroingenieur fachsimpelt unterwegs mit den Leuten auf der Baustelle für ein Wasserkraftwerk, das in ein paar Jahren auch Ceremi mit Strom versorgen wird. Am nächsten Morgen klagt unsere halbe Mannschaft über Verdauungsprobleme. Also heißt es, Lasten verteilen, langsam losgehen, viele Stopps hinter den Büschen einlegen und irgendwie durchhalten. Unsere Moral wird erheblich gestärkt als wir unterwegs eine Riesenmelone geschenkt bekommen. Von der Fahrstraße weg führt der Pfad durch dichte Wälder, grasige Hochebenen, teilweise auf montenegrinischem Gebiet über verfallene Almen zu einer Bar mit Heidelbeerkuchen. Schließlich gelangen wir irgendwann im Abendsonnenschein ins Almdorf Doberdol. Bashkimi, unser Gastgeber, hat erheblich ausgebaut, ein Kühlschrank mit Wasserkühlung, bunte Lichter aus Solarpanels gespeist; die Hütten, in denen wir schliefen, stehen auf einer Viehweide mit Schafen, Kühen, Pferden sowie deren Hinterlassenschaften. Wie am Vortag wird es gleich nach Sonnenuntergang empfindlich kalt und nicht einmal das Lagerfeuer kann die müden Wanderer davon abhalten sich früh in die Hütten zurückzuziehen

Am Morgen sind wir zielstrebig Richtung Passhöhe unterwegs. Der Trekufiri am Dreiländereck Albanien, Montenegro und Kosovo wäre ein schönes Zusatzziel, wir entscheiden uns aber erst mal die Grenze in den Kosovo zu überschreiten. Gedenksteine erinnern an junge Männer, die im Kosovokrieg erschossen wurden. Schließlich erreichen wir den höchsten Punkt der Tour, den Maja e Male mit 2372 m. Ein Päuschen in der Sonne bei herrlicher Fernsicht und schon geht es wieder runter Richtung Montenegro. Heidelbeeren laden ein zum Naschen und Schafe mit Rastalocken zum Fotografieren, „verry beautifulll“. In Babino Polje empfängt uns Agron Alija im Triangle Woodhouse und erklärt uns mit oberbayerischem Akzent all die Köstlichkeiten, die er auftischt. Der fiese Magen-Darm-Erreger bringt über Nacht noch ein Immunsystem zur Strecke, trotzdem geht es weiter zum letzten großen Highlight der Tour, dem Veliki Hrid, ein Bergsee, in dem der Sage nach einst die Waldelfen badeten. Ein Bad im See bringt Schönheit, Gesundheit und Liebe, ist aber ganz schön kalt. 

08 3 Albanien See Foto Theresia Wei

In Plav schließt sich der Kreis, spontane Gastfreundschaft löst das Problem mit der vergessenen Buchung schnell und im Cafe Amadeus klingt der Abend fröhlich aus, dabei trinken einige Niks(icko).

Unser Fazit: Es gab so manche Herausforderung, die Wege waren lang, die Sonne heiß, doch wir sind begeistert von Europa´s größtem Karstgebirge, der vielfältigen Landschaft, rau und fruchtbar. Die Bewohner sind herzlich und kreativ bemüht, uns den Aufenthalt so komfortabel wie möglich zu machen. Die Erschließung des Balkans für den sanften Tourismus ist eine Erfolgsgeschichte.

Autorin und Bildrechte: Theresia Weiß

08 3 Albanien Cafe Foto Theresia Wei