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Eigentlich kann man ja kaum was falsch machen. Sofern das Wetter mitspielt, was in diesem Jahr der Fall war, bei unserem HTG-Ausflug. Die Zutaten: Eine unüberschaubare Masse an Fels, die gerechte Verteilung des Schönwetters im Jahresverlauf, eine perfekte Infrastruktur mit Pizzerias, Eisdielen, Cafés und Kletterläden. Sonne, doppelte und dreifache Espressi, alles mit mediterraner Anmutung in ein Dorf gepackt, dazu ein paar Palmen und ein unweit gelegener See zur Garnierung, schon ist das Kletter-Erlebnis-Menü fertig zu dem Wolfgang wie jedes Jahr geladen hatte.
 

Am erstenTag besuchen wir das bekannte Klettergebiet Nago. Da wir antizyklisch vorgehen, sind nicht viele Leute am Felsen und wir können uns richtig ausbreiten. Das Gebiet ist immer einen Besuch wert und besticht durch seine Vielzahl an Routen in sechs Sektoren in allen Schwierigkeitsgraden und die wunderbare Aussicht auf den Gardasee. Aufgrund vieler leichter und mittelschwieriger Routen und oftmals perfekt präpariertem Wandfuß ist es ungemein beliebt. Grauer plattiger Kalk mit Tropflöchern und gelb-brauner Fels in meist kleinen, oft positiven Leisten in den steileren Bereichen.Blick auf Arco und Colodri

Nach den Klettereien führte uns der erste Weg zu den einschlägigen Cafes, um den obligatorischen Spritz mit den dazu offerierten „Schiffchen“ (Erdnüsse, Oliven, Chips) zu genießen. Was bereits für ein leichtes bis mittelschweres Sättigungsgefühl ausreichte. Der zweite Tag führte uns in das relativ neue Klettergebiet „La Piazzole“. Ein gründlich aufwärmender Zustieg bringt uns zu diesem neuen Fels, der mit Unterstützung der Touristiker eingerichtet wurde, weshalb im vorderen Sektor alle Routen nach Gewinnern des legendären Rockmaster-Wettbewerbs benannt sind. Hier findet sich stark strukturierter und oftmals versinterter grauer Kalk. Der dritte Tag stand unter dem Motto „Mehrsseillängen“. Viel Zeit benötigten wir am Abend zuvor, um den passenden Seilpartner für „Uns Wolfgang“ zu finden. Er träumte von einer 10-Seillängen-Tour im 8. Grad. Zahlreiche Ausreden, die an Entschuldigungen für den Sportunterricht unserer Schulzeit erinnerten wurden ins Feld gefahren: „Ich bin nicht so versiert in Mehrseillängen“, „Ich bin noch leicht verletzt“ (an der Hand, am Fuß, an anderen Stellen), „Ich bin nicht schwindelfrei“(!) – die Beste aller Ausreden. So opferte sich meine Wenigkeit und wurde reich belohnt mit der Route „Il Cavaliere Blue“ – der blaue Reiter- in Padaro. Das Klettern in dieser ruhigen Umgebung erfordert schon sportliches Engagement. Die Wand ist schroff und wild. Die Kletterei dort ist recht ursprünglich im alpinistischen Stil von unten gebohrt und unser „Reiter“ von Heinz Grill und Barbara Holzer 2015 um einen neuen spektakulären Ausstieg bereichert. Es geht ein paar Meter eine Platte hinunter und dann verliert man für die nächsten 40 Meter den Boden unter den Füßen. Die letzte Abfahrt ist überhängend und man muss mit Schwung eine Schlucht überwinden und landet mit einem Sprung auf einem abgespaltenen Felsen.
 
Am gleichen Tag stiegen an der Parete die San Paolo Christine, Stefan, Kurt und Peter in die Via Sabina, 6- ein. Anschließend kletterten an der Rupe Secca Ost Christine und Peter die Cinque Stagioni, 5b. Ilse und Reiner wanderten bei bestem Wetter an den Tagen auf dem Monte Creino (1292m), machten einen Klettersteig in Biacesa, einen Stadtbummel in Rovereto und eine Wanderung nach Canale.  
 
Am letzten Tag kletterten Kurt und Peter die Aspentando di Martino, 5+. Der Rest startete nach Croz de le Niere. Unmittelbar oberhalb der kleinen Ortschaft Preore - eingebettet zwischen den Bergen der Brenta und den Gardasee-Bergen - findet sich dieser kleine aber feine Klettergarten. Rauher Dolomit mit Leisten und Löchern . Witzige Holzfiguren finden sich an verschiedenen Stellen des Klettergartens. Der Fels ist überwiegend fest und oft sehr griffig. Endgültig eingeführt wurden wir dort in den Laissez faire-dolce-vita-Sicherungsstil der hiesigen Italiener, wie im Foto deutlich!
 

Text und Fotos: Andrea Leopold

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