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Im Freeride Mekka Europas

Finale Ligure. Wer dem Hobby Mountainbiken frönt, bei dem lösen diese zwei Worte leuchtende Augen aus. "Finale, da wollte ich schon immer mal hin" oder "Finale, ja wir schauen, dass wir regelmäßig mit unserer Clique hin fahren."
 
Was ist dieses FINALE? Für was steht es? Natürlich, zuerst, für Bella Italia. Mit allem was man so kennt, wenn es um das Italien geht, das am Meer liegt: Meer, Strände, Seebäder, Palmen, Olivenbäume, Bars und Cafés die ständig rufen "kehr ein bei mir, du hast sicher Lust auf einen Espresso!"...und natürlich Essen, ja dieses leckere mediterrane Essen. Von der Sonne verwöhnt. Kurzum, für das Bild und das Gefühl, das jeder Italienurlauber kennt: Lebenslust und das italienische Lebensgefühl.
 
Dann aber, dieses FINALE speziell: es steht seit über 15 Jahren für einen HotSpot der Bergradler-Szene in Europa. Und die ist gewaltig. Laut DAV Mountainbiken der Großteil der über eine Million Mitglieder. Die meisten davon Tourenradler. Geschätzt und gefühlt sind 20% davon auch – aber nicht nur - im anspruchsvollen Bereich Freeride und Enduro unterwegs. Also schneller, härter, technischer. Wer hier fährt, dessen "Waffe" kostet ab 3000.- aufwärts. Viel Federweg, viele teure Teile, viel Schönes Design.
 
Dafür braucht man Geld, und das hat man erst ab Mitte/Ende 20. So sind die Freerider im Schnitt Mitte 30, stehen gut im Job, haben meist schon Familie....und so ist dann auch das Publikum in Finale: man reist mit seinen Radfreunden an, hat ein paar Tage Megaspass, schwitzt und flucht (beim Berghochfahren oder beim 3. Platten an einem Tag), jubelt beim Runtersausen, steht voll im Flow, testet seine Grenzen – und darüber hinaus, isst viel und gut – und hat eine gute Zeit in Gemeinschaft, von der man seinen Liebsten daheim allabendlich dank Smartphone stolz berichtet.
 
Es ist aber auch eine herrliche Landschaft, dieses Ligurien! Die grünen Berge steigen steil aus dem Meer bis auf 1500 Meter hoch. Von oben aufm Gipfel sieht man das Meer und die Küste, die Luftlinie nur ein paar Kilometer weg ist. Es bläst der Wind durch die Hainbuchen- und Esskastanienwälder in den Hochlagen. Kommt man weiter ins Tal, durchfährt man wunderschöne Trails durch die Macchia und Olivenhaine, vorbei an teils bizarren Felsformationen.
 
Die Natur Trails sind oft alte Eselwege, schmale Waldpfade und Schmugglerpfade. Und da gibt es unendlich viele. Das besondere an Finale sind die zusätzlich gebauten Wege, die wie Bobbahnen sich dem Gelände perfekt angepasst entlang der Berge schlängeln.
 
Natürlich sind diese Wege in Finale besonders sanft ins Gelände eingebaut. Sie nutzen die vorhandene Topographie so gut aus, dass sie von den vielen Teerstraßen aus nicht zu sehen sind. Ja, wir Mountainbiker sind ja auch Naturschützer! Wir hegen und pflegen unseren "Spielplatz Natur".
 
Eine Woche genügt dabei nicht, um nur die rund um Finale auf wenigen Quadratkilometern verteilten vielen Trails zu fahren.
Wir haben uns diese Woche nun schon ein zweites Mal gegönnt. Wir, das waren neun Trailbegeisterte aus der Sektion, die in ähnlicher Zusammensetzung schon 2018 unterwegs waren. Hatten wir letztes Jahr eine stürmische Herbstwoche mit Regen, Stürmen, aufgewühltem Meer und umgestürzten Bäumen erwischt, so hatten wir dieses Jahr die ideale Verlängerung des Goldenen Herbstes gebucht. Das fahrerische Niveau der Gruppe war enorm gut und recht homogen, obwohl unsere Altersspanne von Mitte 20 bis Mitte 60 reichte. Unser "Trail-Opa" Reino – er "fährt wie ein junger Gott" (O-Ton Guide Jörg) schwang wieder den lukullischen Löffel für uns bei unseren abendlichen Mehr-Gang-Menüs. Die Gruppe sagte dazu: "Wir sporteln doch nur weil wir dann so gut und viel essen können."
 
Nach unserer Rückkehr werden wir unsere Heimat Trails öfters zusammen rocken.
 
Biker-Herz was willst du mehr?!

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Text und Foto: Oliver Endres