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Die Liste der Kritikpunkte industrieller Landwirtschaft ist lang: Die Verwendung synthetischer Düngemittel und Pestizide, die über das Grundwasser in unser Trinkwasser gelangen, die unethische Massentierhaltung oder auch der übermäßige Einsatz von Antibiotika, all das nehmen wir mit dem Verzehr des Fleisches wieder auf... Kann Landwirtschaft nur auf diese Weise funktionieren? Wir, das Naturschutzteam, haben uns auf die Suche gemacht - und einen Bauernhof gefunden, der es anders versucht. Der Beerhof hat im Jahr 2001 den Betrieb auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt und ist seitdem Mitglied im Naturlandverband. Mit 21 interessierten Teilnehmern besuchten wir am 25. März 2017 bei herrlichem Frühlingswetter den Biohof, der idyllisch in der Nähe von Bernhardswald liegt.

Michael Beer, der enthusiastische und überzeugte Biolandwirt, zeigte uns bei einer mitreißenden Führung seinen Hof. Wir lernten seine Milchkühe und Schweine kennen und bekamen Einblicke in die eigene Futterproduktion und Metzgerei.

Besonders beeindruckt hat uns die Seniorin im Stall - eine 14 Jahre alte Milchkuh. Sie ist topfit und aktuell wieder hochträchtig. Dass eine Kuh so lange durchhält, ist sicherlich der artgerechten Haltung zu verdanken. Die Tiere finden sommers wie winters einen Platz an der frischen Luft - nur zum Füttern und Melken geht es nach drinnen. Für die natürliche Besamung ist ein stolzer Stier verantwortlich, der sich unter den ganzen Mädels pudelwohl fühlt. War er erfolgreich, geht die Mutterkuh in "Mutterschutz" und hat ausreichend lange Ruhezeiten, in der sie sich völlig auf die Geburt vorbereiten kann.

Bei der Züchtung geht es Michael Beer nicht um möglichst große und ertragreiche Tiere, sondern in erster Linie um die leichte Geburt. Das hat zur Folge, dass er bei seinem morgendlichen Hofrundgang schon mal von einem frisch geborenen Kälbchen überrascht wird. Die Jungtiere - Schwein wie Kalb - kommen auch direkt in den Freiluftstall, wodurch kaum Probleme mit therapiebedürftigen Infektionen entstehen und der Einsatz von Antibiotika vermieden werden kann.

Unser Bild von Schweinen wurde grundlegend widerlegt. Natürlich suhlen sich Schweine gern im Dreck, aber wenn man ihnen den entsprechenden Freiraum lässt, sorgen sie tunlichst dafür, dass ihr Schlafplatz immer pikobello bleibt. Das fröhliche Quieken und die kleinen Ringelschwänze versetzten uns direkt in unsere Bilderbuchtage zurück.

Die Futterproduktion (Mais und diverse Getreidesorten) erfolgt ebenfalls rein biologisch. Für die Düngung werden Tiermist und Gülle verwendet und statt Spritzmittel einzusetzen, wird das Unkraut rein mechanisch bekämpft. Die Schlachtung wird tierschonend direkt am Hof durchgeführt. Damit fallen lange und quälende Transportwege weg, und der Stress für die Tiere wird so gering wie möglich gehalten. Das Fleisch wird sofort von einem Metzger weiterverarbeitet und auf Marktständen in der Region verkauft.

Auch der Spaß kam bei der Führung nicht zu kurz: Die Kids hatten ihre höchste Freude beim Toben im duftenden Stroh und Heu. Am Ende der Führung konnten wir uns von der Qualität selbst überzeugen - wir wurden mit liebevoll vorbereiteten Wurstsemmeln und Bio-Bier verwöhnt. Am Ende des Tages hatten wir eins auf jeden Fall verstanden: Bio kann und sollte sich jeder leisten, vor allem beim Fleisch.