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In den Bayerischen Alpen fällt immer weniger Schnee. Die vom Tourismus lebenden Gemeinden suchen darauf Antworten - und gehen unterschiedliche Wege.

Mit der Schlagzeile "Alpenplan in Gefahr!" reagierte der DAV entsetzt auf den sommerlichen Beschluss des Bayerischen Kabinetts zum Riedberger Horn. Schon länger kämpfen DAV, lokale Naturfreunde und andere Naturschutzverbände gegen den Plan, eine Skischaukel mitten durchs Schutzgebiet dort zu bauen. Es wäre ein Eingriff in den seit den 1970er Jahren bestehenden Bayerischen Alpenplan zum Schutz der heimischen Bergwelt. Per "Gipfeltausch" soll das von lokalen Touristikern avisierte Riedberger Horn zugunsten eines Nachbargipfels aus der Schutzzone C herausgenommen werden. Über diesen Kuhhandel will die Staatsregierung nun die rund 900 wahlberechtigten Bürger der betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein abstimmen lassen. Dabei werden Böcke zu Gärtnern gemacht und lokale Interessen übers Gemeinwohl gestellt. Liftbetreiber und lokale Politiker machen Stimmung für die Kabinenbahn. Sie führen ins Feld, die Vernetzung ihrer beiden Skigebiete sei überlebenswichtig für den heimischen Wintertourismus. Den Trend "Skischaukel" haben sie sich aus Österreich abgeschaut, wo man unter dem Motto "Größer ist besser" stur immer mehr Skigebiete miteinander verbindet. Nebenbei, so spricht der Plan fürs Riedberger Horn, könne man ja noch ein paar Pisten in die Berghänge schneiden...

Tatsächlich müssten sich die lokalen Touristiker im Oberallgäu eingestehen, dass sie gegen die Konkurrenz in der Alpenrepublik mit ihren tausenden Pistenkilometern jenseits der 2000er Marke so oder so den Kürzeren ziehen werden. Dabei hilft auch die Tatsache nichts, dass Balderschwang als eines der letzten Schneelöcher in den Bayerischen Alpen gilt... was will man bitteschön den rund 20.000 Skikanonen in der Alpenrepublik entgegenhalten?

Dass Tourismus auch anders geht, zeigt das Dorf Ramsau am Dachstein. Seit kurzem trägt es als erste deutsche Gemeinde den Titel "Bergsteigerdorf". Der Titel, verliehen vom Deutschen und dem Österreichischen Alpenverein, folgt der Alpenkonvention und steht für "Nähe ohne Respektlosigkeit, Genuss auf hohem Niveau, Bewegung aus eigener Kraft, Anregung ohne Hektik sowie Belebtheit ohne Lärm". Während die einen eine aussichtslose Schlacht schlagen, gehen die anderen den Weg des naturnahen und nachhaltigen Tourismus.