Der Bau der Neuen Regensburger Hütte vor fast 100 Jahren war ein Großprojekt, das die Sektion und insbesondere der damalige 1. Vorsitzende Ludwig Hanisch mit großer Kraftanstrengung stemmte. Die Sehnsucht nach einer neuen Bergheimat war groß genug, um viel Zeit, Geld und auch Nerven zu investieren.
Nachdem 1924 die Alte Regensburger Hütte im Grödnertal enteignet wurde, begab sich der Vorstand der Sektion intensiv auf die Suche nach einem "neuen Arbeitsgebiet". Nicht weniger als 18 Hüttenplätze wurden in Betracht gezogen, leider scheiterten viele daran, dass andere Interessenten den Zuschlag bekamen, die Eigentümer das Gebiet nicht hergeben wollten oder es schlicht nicht geeignet war. Es schien zum Verzweifeln...
Im Sommer 1926, im gleichen Sommer, als die Jugend die Hanslberghütte quasi aus eigener Kraft erbaute, wanderte Oberingenieur Ludwig Hanisch mit "seinen Jungens" hinauf zum Falbesontal, um sich einen weiteren Hüttenplatz anzuschauen.
In der Festschrift zum 90-jährigen Bestehen der Sektion (1960) steht dazu. "1927: Die 1920 begonnene Suche nach einem neuen Arbeitsgebiet wird in diesem Jahr von Erfolg gekrönt. nachdem 17 Projekte, so im Wilden Kaiser, am Trischübl, in der Röth, m Kreuzjoch im Geigenkamm, im Roßkar im Lengenthal, am Hocheis und in anderen Gebirsgegenden aufgegriffen, begangen und wieder verworfen waren, nimmt das 18. Projekt, im Falbesontale im Stubai, greifbare Gestalt an. In ca. 2300 m Höhe wird ein idealer Platz für den Bau einer neuen Hütte gleichzeitig mizt dem dazu notwendigen Grund von 4 ha erkundet und festgelegt, der nach langwierigen Verhandlungen auf 2 ha reduziert, erworben wird."
Im Grunderwerbvertrag steht: "Die Sektion Regensburg es Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, vertreten durch Herrn Dr. Forcher-Mayr in Innsbruck, Erlerstraße 8, hat von den Eigentümern der Falbesonhochalpe in Neustift im Stubaitale aus der Grundparzelle 2482 (Alpe) in Einlage 315/II K.G. Neustift zum Bau eines Turistenunterkunftshauses samt Zubehör auf der Hochmoosalpe (Falbesonhochalpe) 20.000 qm Grund unter folgenden Bedingungen mit Vertrag 6.7. bzw. 9.8.1929 erworben [...]". Es folgen die Vorbesitzer der Alpe, die Pflichten der Sektion zur Wegepflege und zur Wasserfassung, zur Einrichtung einer Fernsprechleitung und die Erhaltung der "Dienstbarkeit" der Weide und mehr.
Für den erworbenen Grund fielen 200 Schilling an, plus 100 Schilling für erworbene Nebenrechte. Laut österreichischen Historischen Währungsrechner wären das summa summarum heute etwa 1.350 Euro. Ein Schnäppchen? So wurde das nicht gesehen. "Die ganzen, im Eigentum von 11 weit zerstreut wohnenden Miteigentümern befindlichen Grundstücke haben ein Flächenausmaß von 1059.680 qm, sodaß der Wegfall von 20.000 qm fast unproduktiven Bodens gegen so bedeutende Gegenleistungen nicht nur kein Nachteil, sondern vielmehr ein wesentlicher Nutzen für die Alpe sein kann." (Auszug aus dem Grunderwerbsvertrag)
Die Kosten für den Bau der Hütte und es Zugangsweges wurde auf 85.000 RM veranschlagt. DIe Finanzierung setzte sich aus einer Entschädigung für die geeignete Hütte in Südtirol, und durch Ersparnisse und Überschüsse aus den Kostümfesten zusammen (42.000 RM). Der Österreichische Alpenverein stellte 20.000 Euro in Aussicht. Für die Restsumme wurde eine dreijährige Hüttenumlage an alle Mitglieder von 6 RM beschlossen.
1929 wird der Zugangsweg zur Hütte sowie das Kellergeschoss gebaut. Für 1930 heißt es: "Infolge des schlechten Wetters kommt die Baufirma nicht über die Erstellung des Rohbaues hinaus." Auch im Frühsommer 1931 verzögerte das Wetter noch einmal die Fertigstellung um einige Wochen. Aber: Am 26. Juli 1931 sollte sie dann stattfinden, die feierliche Einweihung.
Daraus wurde leider (noch) nichts - dieses Mal lag es aber weder am Wetter noch an der Baufirma, sondern an "Ausreiseschwierigkeiten". "Die so plötzlich und unerwartet eingetretenen großen Erschwerungen des Grenzübertrittes nach Tirol und die damit verbundenen sonstigen Unsicherheiten und Unbequemlichkeiten bedingen eine Verschiebung der für den Sonntag, 26. des Mts., festgesetzten Einweihung unserer "Neuen Regensburger Hütte" bis auf weiteres." (Regensburger Anzeiger, Nr. 200 / 1931)
"Die Pacht der "Neuen Regensburger Hütte" am Hochmoosferner im Stubai wird für Sommer 1931 dem Herrn Nikolaus Knoflach in Neustift übertragen." Der erste Satz des ersten Pachtvertrags. Übrigens: Die Knoflachs und Kinder haben unsere Hütte in der Folge über mehrere Jahrzehnte gepachtet. Allein Nikolaus Knoflach feierte 1956, als die Hütte endgültig wieder in den Besitz der Sektion überging, nachdem sie von den Alliierten beschlagnahmt worden war, sein 25-jähriges Pachtjubiläum.
Dass der Bau, die Kommunikation mit den Ingenieuren und Nauleitern, die Erstausstattung der Hütte, die Grenze, das Wetter und die Wege nicht immer einfach waren, zeigen zahlreiche Originaldokumente des Archivs des DAV Regensburg. Manchmal wurde es so nervenaufreibend, dass etwa von notwendigen Kuraufenthalten der angeschlagenen Nerven wegen in Bad Reichenhall zu lesen ist. Mitunter wird es auch lustig, wenn auch "peinlich", als sich der Architekt der Hütte Othmar Sehrig aus Innsbruck "verzählte" und doppelt so viele Matratzen bestellte, wie die Hütte Schlafplätze hatte. Und natürlich ließ man sich auf dem Einweihungsfest nicht nur ausführliche Reden schmecken, sondern auch 100 Regensburger Knacker, in Dosen geliefert von Hans Rettenberger.
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