2016 ging es für Jonas Häring, Michael Seidl und Dominik Schmidbauer, aus der Jugend der Sektion Regensburg, nach Jordanien. Ihr Projekt: eine Erstbegehung. Und viel Schönes mehr.
Das Königreich Jordanien beheimatet nicht nur die Felsenstadt Petra sowie das Tote und das Rote Meer, sondern auch einige "Wadi" (Flussbett oder Tal). Den Canyon "Wadi Mujib" nahe des Toten Meers beispielsweise, oder aber das sagenhafte Wadi Rum mit seinen Sandstein- und Granitfelsen. Das Wadi Rum ist mit 740 km2 das größte in Jordanien und wurde 2011 als Schutzgebiet in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Und von der Sektionsjugend 2016 in die Liste ihrer Eroberungen. Die Geschichte der Reise:
Unmittelbar nach unserer Ankunft am Flughafen in Aqaba mussten wir feststellen, dass in Jordanien nicht alles so läuft wie geplant. So war der von uns im vorhinein organisierte Transport zur Unterkunft, der uns am Flughafen abholen sollte, dort nicht aufgetaucht. Also entschieden wir uns mangels Alternativen, das letzte am Flughafen stehende Taxi zu nehmen. Unsere Versuche, dem Fahrer unser Ziel zu erklären, scheiterten allerdings aufgrund seiner geringen Englisch- und unserer nicht vorhanden Arabischkenntnisse und so mussten wir unsere erste Nacht in einem anderen Camp in Disi, dem nächst größeren Dorf in der Nähe von Wadi Rum, verbringen.
Im Nachhinein gesehen war es wohl das Beste, was uns passieren konnte, denn durch diesen Zufall lernten wir Atayek kennen, der uns während der nächsten zwei Wochen im Wohnzimmer seine Familie beherbergte. Außerdem organisierte er für uns sämtliche Fahrten und zeigte uns auch den Fels für unsere Erstbegehung. Atayek ist der Sohn eines der ersten Führer in Wadi Rum und lehrte uns Einiges über die Arabische Kultur.
The Beauty
An unserem ersten Klettertag kletterten wir „The Beauty“, eine Route, die nicht nur wunderschön zu klettern ist - auch der Zustieg führt durch eine schier unglaubliche Schluchtenlandschaft. Allerdings mussten wir hier unsere erste Lektion lernen: Klettern in der prallen Wüstensonne ist so gut wie unmöglich! Aus diesem Grund waren die letzte Seillänge der Tour und der Abstieg mit sehr hohen Anstrengungen verbunden.
Mad Frogs and Englishman
Am nächsten Tag war „Mad Frogs and Englishman“ die Tour unserer Wahl. Diese befindet sich am Jebel Rum, welcher sich auf der Ostseite des Tales erhebt. Wir mussten deshalb bis 14.00 Uhr warten, bis Schatten in der Wand war, hatten dann aber relativ gute Temperaturverhältnisse in der Tour. Am Abend entschieden wir uns dazu, die nächsten drei Tage in der Wüste zu verbringen. So organsierten wir uns noch genug Wasser und Essen, um am nächsten Tag möglichst früh starten zu können.
Les Rumeurs De La Pluie
Atayek fuhr uns mit seinem Jeep durch die Wüste bis wir nach ca. 1,5 Stunden den Barrah Canyon erreichten. Bevor er wieder zurück nach Rum fuhr, erklärte er uns noch, dass wir ca. eine Stunde Richtung Talausgang wandern müssten, um Handyempfang zu finden und es keine andere Möglichkeit gäbe, ihn zu erreichen. Spätestens jetzt wurde uns bewusst, dass wir uns in der absoluten Wildnis abseits jeglicher Zivilisation befanden. Am selben Tag kletterten wir noch „Les Rumeurs De La Pluie“, eine Route, die ca. 200 m von unserem Biwak Platz entfernt war und am Abend genossen wir am Lagerfeuer den sternenbedeckten Himmel über der Wüste.
Merlins Wall
Am folgenden Tag duchstiegen wir „Merlins Wall“, einen weiteren Klassiker des Wadi Rums, und da wir ziemlich früh gestartet waren konnten wir den Tag nutzen, um in der Route ausgiebig zu filmen und zu fotografieren. Den dritten Tag im Barrah Canyon begannen wir damit, eine Einseillängen-Tour zu klettern und ebenfalls zu filmen. Auf dem Rückweg zu unserem Camp, wo wir uns auf eine weitere Mehrseillängentour vorbereiten wollten, wurden unsere Pläne von einem unerwarteten Besuch durchkreuzt: Ein Beduine stand plötzlich in unserem Camp und beäugte unsere Ausrüstung sehr intensiv. Wir waren etwas irritiert und zugleich beunruhigt, was er wohl mit unserer Ausrüstung vor hatte. Beim Verlassen unserer „Unterkunft“ gab er uns zu verstehen, dass wir ihn und seine Freunde auf einen Tee besuchen sollten.
Tea Time
Wir entschieden uns dazu, uns zunächst für die anstehende Tour vorzubereiten und auf dem Weg dorthin den Beduinen einen Besuch abzustatten. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass unsere Befürchtungen völlig unbegründet gewesen waren. Wir bekamen Tee und Kekse und mussten den Beduinen unsere Ausrüstung vorführen. Sie waren sehr interessiert daran, da sie so was einfach noch nie gesehen hatten. So verbrachten wir unseren Nachmittag damit, Tee zu trinken und ließen die Beduinen unsere Ausrüstung anprobieren und ausgiebig testen. Wir waren uns alle einig, dass dieser kulturelle Austausch für uns heute wertvoller war als eine weitere Klettertour.
Abu Shakra
Nach unserem Wüstenaufenthalt im Barrah Canyon beschlossen wir, nun das Projekt „Erstbegehung“ anzugreifen. Den ersten Tag verbrachten wir hauptsächlich damit, durch die Wüste zu fahren und mögliche Linien zu begutachten und am Ende des Tages war die Linie für unsere Erstbegehung gefunden. Wir benötigten insgesamt drei Tage, um die Route von Steinen zu säubern, die Stände einzubohren und die Tour erstzubegehen. Einen weiteren Tag verbrachten wir mit Filmen und Fotografieren in der Route. Wir beschlossen, die Route „Abu Shakra“ zu nennen, nach dem Spitznamen, den Jonas Häring von den Arabern bekommen hatte. Abu Shakra bedeutet soviel wie „Der verrückte Blonde“.
Kletter-Begeisterung
Nach der Zeit, die wir für unsere Erstbegehung verbracht hatten, näherte sich auch schon das Ende unseres Jordanienaufenthaltes. Ein Highlight sollte aber noch auf uns warten: Bereits vor unserem Aufbruch nach Jordanien hatten wir die Landesleiterin des SOS-Kinderdorfes in Jordanien kontaktiert und ihr angeboten, einen Tag mit Jugendlichen des SOS-Kinderdorfes klettern zu gehen. Es gab noch einige organisatorische Probleme zu lösen, aber schließlich klappte alles und wir konnten an unserem letzten Tag in Wadi Rum mit 18 Jugendlichen aus Amman klettern gehen. Diese Erfahrung war für uns wahrscheinlich sogar wichtiger und erfüllender als unsere Erstbegehung. Es war unglaublich, die Dankbarkeit und die Begeisterung der Jugendlichen für das Klettern zu sehen. Und für uns war es eine tolle Möglichkeit, unsere Leidenschaft fürs Klettern mit den Jugendlichen zu teilen und uns für die tolle Zeit in Jordanien zu bedanken.
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