Im Juli 1999 machte sich eine zehnköpfige Truppe der JDAV, auf Initiative von Regensburgs damaligem Jugendleiter Stefan Kronschnabl und damaliger Jugendreferentin Anne Reuther auf den Weg nach Spitzbergen, um den äußersten Norden Norwegens auf einer siebenwöchigen Expedition zu erkunden.
Der Gleitschirm spannt sich mit einem Rauschen. Der Himmel ist strahlend blau, als Daniel Drexler in eine Traumwelt aus Schnee, Eis und Fels startet. Es ist Juli, das Jahr: 1999. Der Ort: Spitzbergen. Als er nach dem bis dato nördlichsten Gleitschirmflug landet, hofft er, dass sein Team, mit dem er den Newtontoppen bestiegen hat, schnell wieder bei ihm ist. Denn da es sich in den Seilen verfangen könnte, hat er kein Gewehr dabei …
Im Juli 1999 war es endlich so weit: Eine Gruppe von zehn jungen Menschen, darunter die Initiatoren Anne Reuther - heute Dr. Anne Gold, Dozentin für Klimatologie an der Universität Boulder in Colorado, damals Jugendreferentin der Sektion Regensburg, und Stefan Kronschnabl - heute stellvertretender Betriebsleiter des Kletterzentrums, damals Jugendleiter der Sektion – startete nach eineinhalb Jahren der Vorbereitungszeit zur siebenwöchigen JDAV-Expedition in Norwegens hohen Norden.
Das Ziel: Die Expedition bestand aus zwei Gruppen mit zwei verschiedenen Zielen. Die einen wollten Spitzbergen durchqueren und den nördlichsten Punkt erreichen, die anderen den Newtontoppen besteigen, den mit 1.713 Metern höchsten Berg des Svalbard-Archipels. Beide Expeditionen glückten.
Darum Spitzbergen: „Es musste auf jeden Fall Eis, Schnee und Einsamkeit dabei sein“, erklärt Stefan Kronschnabl. „Ein 360°-Blick, bei dem man nur seine eigenen Spuren sieht.“ Das Ziel der Expedition sollte nicht so bekannt sein und keinesfalls ein Ziel, das zu dieser Zeit „in“ war. „Ich habe viele Kinder- und Jugendbücher darüber gelesen und wollte unbedingt mal Nordlichter und Mitternachtssonne sehen“, erinnert sich Stefan. Anne schrieb in den Expeditionsbericht: „Ich habe die letzten Sommer immer in Spitzbergen verbracht, um dort für einen Reiseveranstalter Trekking- oder Skitouren zu leiten. Ich weiß, dass es dort oben jede Menge Potential für Expeditionen und auch einige abgelegene Gebiete mit Granitgestein gibt.“
Die Vorbereitung: Ziel festlegen, Flüge buchen und los? Bei einer Expedition geht es nicht so einfach. Ausführliche Recherchen zum Zielgebiet, Festlegen der Routen, Genehmigungen, Sponsorensuche und Zuschussanträge, Teilnehmersuche und Prüfung der Eignung, gezieltes Training der Teilnehmenden, Fotografiekurs vorab, Materialauswahl, Einpacken … und Schießtraining. Auf Spitzbergen gibt es Eisbären. Das Gewehr muss deshalb zur Sicherheit immer dabei sein.
Der Hinweg: Die Flugnummer lautete SAS 1662 SK. 29. Juli 1999. „Wir haben uns mit einem Postschiff in einer Bucht zwischen zwei Gletscherzungen aussetzen lassen. Dies stellte sich schnell als eine schlechte Entscheidung heraus, da uns ein zerklüfteter Gletscher erwartete“, erinnert sich Stefan Kronschnabl. „Drei Tage brauchten wir, um einen Weg durch den Gletscherbruch zu finden. Mit Hilfe von Seilbrücken haben wir einen schweren Schlitten mit dem Material über viele Spalten befördert.“
Spitzbergen-Durchquerung: Verlegenhuken hieß das Ziel von vier Eiswanderern, der nördlichste Punkt Spitzbergens. Täglich sechs bis acht Stunden auf Tourenskiern durch Veteranenbreen, Asgardfonna-Plateau, teils schwieriges vergletschertes Gelände. Dann: „White Out“, alles rundherum verschwimmt im Nebel, dem Weiß des Eises und des Schnees. Die Orientierung wird immer schwieriger. Am Ende erreichen sie Verlegenhuken, einen eher unspektakulären Strand, und schaffen es bei schönerem Wetter wohlbehalten zurück zum Fuß des Newtontoppen.
Newtontoppenbesteigung: Vor der Besteigung des Newtontoppen, der zwar der höchste, doch relativ einfach zu besteigende Berg Svalbards ist, tobte sich die sechsköpfige Klettergruppe am benachbarten Atomfjella-Gebirgszug aus und eroberte in einer Erstbesteigung den Nostradamus-Pfeiler, eine Big Wall mit 12 Seillängen und 450 Metern Eis bis 60 Grad. Viele weitere Kletterabenteuer erlebten die sechs Jungs, nachzulesen im großartigen Expeditionsbericht.
Die Eisbären: Zwischen 3.000 und 5.000 Eisbären lebten damals, vor 22 Jahren, auf Spitzbergen. Eine faszinierende Aussicht für die zehn Expeditionsteilnehmenden, die doch auch Respekt vor den weißen Riesen hatten. Die Regeln: Ruhe bewahren, kein Essen offen herumstehen lassen, Gewehr für den Notfall immer griffbereit. „Am Anfang der Expedition ist das mitgeführte Gewehr immer griffbereit. Da wir jedoch nie einen Bären gesehen haben, gerät es immer mehr in Vergessenheit. Eines Tages stoßen wir dann auf Eisbärspuren und die Panik brach aus: Wer hat das Gewehr? Wann wurde es zuletzt gereinigt?“, erinnert sich Stefan Kronschnabl. Zum Ernstfall ist es nicht gekommen, es blieb bei den Spuren. Als Daniel Drexler allerdings ohne Gewehr mit dem Gleitschirm losflog, schauten alle anderen der Newtontoppengruppe, dass sie so schnell wie möglich den herrlichen, unberührten Schnee mit den Skiern hinunterkamen, dass es nicht doch noch zu einer gefährlichen Begegnung mit einem Bären kommt.
Im ausführlichen Expeditionsbericht finden sich noch viele weitere spannende Anekdoten und Themen, zum Beispiel zur Expeditionsapotheke, zur Verpflegung, zur Sponsorensuche und mehr.
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